So ungewöhnlich wie das Ziel an sich ist auch die Anreise. Ab München gelangt man im Herbst nur über Stockholm und Oslo bzw. Tromsø nach Longyearbyen – eine kleine Bergbaustadt auf der Insel Spitzbergen in der Arktis auf dem 78. Breitengrad. Nach der Ankunft im Hotel erfahre ich an der Rezeption, dass die beiden einzigen Flugzeuge, die die Insel anfliegen teilweise nur zweimal wöchentlich jeweils drei mal am Tag zwischen Festland und Insel hin- und herfliegen.

Der Ausblick bei der Landung war sehr beeindruckend. Nach dem Verlassen des Busses in der Stadt fällt mir sofort positiv auf wie rein die Luft ist. Die Stadt ist sehr klein, hat aber eine verhältnismäßig große Universität, viele Bars und Restaurants mit sehr freundlichen Leuten. Sonnenlicht sehe ich nur von etwa neun Uhr morgens bis zwei Uhr nachmittags, da das Tal, in dem sich Longyearbyen befindet auch viel Licht schluckt. Die Sonne selbst habe ich eine Woche lang nicht gesehen.
Es ist nicht verwunderlich, das hier jeder jeden kennt – auf einer Insel, auf der es mehr Eisbären gibt als Menschen. Obwohl die Hauptsaison des Tourismus schon vorüber ist, gibt es noch immer ein großes Freizeitangebot. Man kann in einem Schlitten, der von Huskys gezogen wird die Insel erkunden, mit dem Schneemobil auf einen Gletscher fahren oder eine Gletscherwanderung zu Fuß unternehmen. Für letzteres habe ich mich entschieden. Da es wegen der drohenden Gefahr einem Eisbären zu begegnen von der Stadtverwaltung nicht gestattet wird, die Stadt ohne Schusswaffe zu verlassen, wird die Wanderung von einem Guide geführt. Dieser hat davon erzählt wie stark sich der Gletscher von Jahr zu Jahr verändert und leider auch jedes Jahr deutlich kleiner wird. Nach der Besichtigung des Berggipfels Trollsteinen und einer Wanderung durch eine Eishöhle besuchen wir noch den Global Seed Vault – dem Ort an dem genetisch unverändertes Saatgut im Permafrostboden eingelagert wird.
Der eigentlich Grund meines Aufenthalts ist es eigentlich Nordlichter zu sehen. Ich habe die Einwohner gefragt, wann und wo man sie am besehen sehen kann, da ich bis zum letzten Tag noch nicht das Glück hatte. Ein großes Problem ist hierbei die nächtliche Lichtverschmutzung aber auch der 78. Breitengrad ist schon fast zu nördlich, um Nordlichter zu sehen. In der letzten Nach gelingt es mir aber, dieses – fast magische – Naturschauspiel zu bestaunen und mit meiner Kamera einzufangen.

Am nächsten Tag reise ich bei Sonnenuntergang um 15 Uhr für einen eintägigen Zwischenstopp nach Tromsø. Dort sehe ich abends sogar im hellen Stadtzentrum Nordlichter über mir.